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Was uns bewegt

Sachsen-Anhalt war einst eine Hochburg des Obstbau und der Obstsortenzucht. Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1137 n. Chr., als Mönche die von den Römern hinterlassenen Obstbäume pflegten und anfingen zu züchten. Der Adel war der größte Förderer des Obstbau und so wurden Straßen und Wege bepflanzt, um die Bevölkerung mit Obst zu versorgen, aber auch das Landschaftsbild durch die Schönheit der Bäume zu veredeln.

Der kommerzielle Obstbau ließ trotzdem noch recht lange auf sich warten, denn vor allem die Obstbaufor- schung und Selbstversorgung standen lange im Vordergrund. So wundert es nicht, dass etliche alte Obstsorten ihren Ursprung in Sachsen-Anhalt haben. Erst ab 1950 wurde der Streuobstbau industriemäßig betrieben, erfuhr aber sein jähes Ende durch die politische Wende 1989. Der Übergang zur Niederstammbewirtschaftung und damit einhergehende höhere Rentabilität, gezahlte Rodungsprämien der EU und Privatisierung der Streuobstbestände sorgte letzten Endes für einen Flächenverlust von über 75%. Die noch bestehenden Flächen sind von Vergreisung und Verbuschung betroffen, sodass auch sie in absehbarer Zeit schwinden werden.

Die Dramatik dahinter lässt sich erst erkennen, wenn man sich vor Augen führt, dass eine einzelne Streuobstwiese ein geschlossenes Biotop bildet und damit eine hohe Biodiversität aufweist. So können bis zu 5000 unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten innerhalb einer Streuobstwiese gefunden werden. Teilweise sind bestimmte Arten auf die offene Fläche und den Kreislauf des Baumlebens angewiesen und können so nur hier existieren. Nicht nur die Rodung würde dieses Biotop zerstören, sondern bereits die Vernachlässigung der Streuobstbestände tun dies. An das traditionelle Wissen und die historische Form des Obstbaus setzt das Streuobstwiesenprojekt des Vereins heimatBEWEGEN an, um Naturschutz und Versorgung der Menschen in der Region zu vereinen.